31.07.2019 Wolfgang Wildner

Der Sound des Südens

Der Anblick dieser nicht selten mehr klapprig wirkenden als klappernden skelettierten Ungetüme mag auch schon so manchem unbedarften Besucher dieser erquicklichen Region in Angst und Schrecken versetzt haben: der (oder die) Klapotetz – ein regionstypisches Windrad mit – in der Steiermark – acht Flügeln bzw. Federn. Seine durchdringenden Töne sollen weintraubenaffine Vögel in die Flucht schlagen, so jedenfalls die Ursprungsidee. Doch mittlerweile ist der Klapotetz längst zum Wahrzeichen und Eyecatcher geworden.


Liebe Klapotetzfreundinnen und Klapotetzfreunde! Die qualitätsbewussten südsteirischen Weinbäuerinnen und Weinbauern achten bitte schön schon selbst darauf, dass der Traubenertrag nicht ins Astronomische steigt, da können wir auf die diebischen Vögel gerne verzichten. Die mögen sich was anderes zum Knabbern suchen, es gibt Spezialitäten genug, aber bitte nicht die Trauben, die im Weingarten im Sinne der Weinqualität ohnehin schon auf ein Minimum reduziert werden – und zwar von Hand und nicht von Schnabel.  

#KLAPOTETZ-ETYMOLOGIE

Das Wort Klapotetz stammt vom slowenischen „klopotec“, das wiederum auf das slawische Verb „klopotati“ für klappern, klatschen, rasseln, poltern oder – im übertragenen Sinne – auch schwatzen zurückgeht. Im Steirischen war das klappernde Ding einst als „Windmühle“ (Windmühl’) oder „Windrad“ (Windradl) bezeichnet worden. Begriffe, die mittlerweile nicht mehr so in Gebrauch sind.
Der slowenische „Klopotec“ hat vier oder sechs Flügel. Der steirische Klapotetz holt sich seine Windkraft aus acht Federn. Die einzelnen Teile des Klapotetz werden aus  unterschiedlichen Holzarten hergestellt. Das Klang- bzw. Schlagbrett müsse unbedingt aus dem Holz der (Cornell-)Kirsche sein, weil nur dieses den entsprechend vogelpeinigenden Radau erzeuge. Ob sich die Vögel noch fürchten, sein dahingestellt, eh wurscht, denn die Vogelscheuche ist längst zum südsteirischen Wahrzeichen geworden.

#EINEN #KLAPOTETZ #BAUEN

In den 1980er-Jahren blickt Erich Silberschneider, Seniorwinzer am Familienweingut in Eichberg-Trautenburg, zurück, sei die Nachfrage nach Klapotetzen beinahe zum Erliegen gekommen. Die Kunst des Klapotetzbaus – bei ihm irgendwo zwischen Hobby und Leidenschaft angesiedelt – hat Silberschneider vor Jahrzehnten von seinem Onkel erlernt und mittlerweile auch an seinen Sohn Stefan weitergegeben. Heute sei die Nachfrage wieder riesig und er komme kaum mit der Herstellung nach. Viele Hundert habe er über die Jahre bereits – weitgehend „nach Gefühl“ – zusammengebaut, kleinere Modelle mit geringerer Flügelspannweite für den Garten ebenso wie größere, wie man Sie in Weingärten und vor Buschenschänken sieht. Rund um den Globus bis nach Kalifornien verbreiten seine Klapotetze Südsteiermark-Flair.

33 Einzelteile verbaut Silberschneider, sieben Holzarten aus dem eigenen Wald kommen dabei zum Einsatz: Esche, zäh und belastbar, für das Gestell und die Schlegel, aus Akazie werden Kurbelwelle bzw. Achse („Grindel“) und Zapfen gefertigt, Apfel- oder Birnenholz wird für die Halterung des Schlagbrettes verwendet, das Schlagbrett selbst besteht aus Vogelkirsche, die Flügel sind aus Fichtenholz. Der „Schwanz“ besteht aus Birke, größere Klapotetze bekommen häufig noch einen Birkenbesen, damit sie sich im Wind besser drehen.

Ein TV-Beitrag über Erich Silberschneider kann man auf der Homepage des Weingutes www.klapotetzhof.at ansehen.


Traditionellerweise werden die Klapotetze zu Jakobi (25. Juli) oder Anna (26. Juli) aufgestellt und zu Allerheiligen (1. Nov.) oder Martini (11. Nov.) wieder abgebaut und möglichst trocken eingelagert. 

 

#RIESEN-KLAPOTETZE

Der größte Klapotetz der Welt steht mit 19 Metern Höhe und 25 Tonnen Gewicht auf einem 9 Meter in die Erde reichenden Betonfundament beim Rebenland-Einkaufszentrum in Schloßberg/Leutschach und vertreibt dort wohl vorrangig den einen oder anderen schrägen Vogel. Aber Achtung! Dieser Klapotetz klappert nicht.
Auf dem Demmerkogel ragt ein Klapotetz mit einer Flügelspannweite von 14,1 Meter und einem Gewicht von 7 Tonnen 17 Meter in die Höhe und ersetzt damit einen etwas kleineren, im Oktober 2017 von einem Sturm gefällten Vorgänger. Gebaut wurde dieser Klapotetz von Manfred Perl, einem gelernten Kunsttischler, auf seinem Anwesen in Brünngraben, St. Andrä-Höch, unter freiem Himmel mit Hebewinde, Seilaufzug und Motorsäge.

Eine moderne Neuinterpretation des Klapotetzgedankens, 7 Meter hoch, hergestellt aus Stahlrohren und 1997 errichtet, findet sich am Kollersimmerlkogel in Eichberg-Trautenburg. 
 

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Brauchtum und Tradition