05.08.2019 Wolfgang Wildner

Südsteiermark - Der Garten der Steiermark

In der Südsteiermark haben Paradies und Schlaraffenland ein Joint-Venture gegründet. Der alleinige Zweck der gemeinsamen Geschäftstätigkeit: Genuss auf allen Linien.


Beide Beteiligten haben ihre wertvollsten Ressourcen in das neue Gemeinschaftsunternehmen eingebracht: Eine liebliche Landschaft, die keinen Vergleich zu scheuen braucht –  und sich deswegen bevorzugt mit der Toskana, wahrlich einem der schönsten Flecken auf Gottes Erdenrund, vergleichen lässt. Fruchtbaren Boden, auf dem durch der vielen Hände Arbeit (der einzige, wenn auch wesentliche
Unterschied zum sagenhaften Schlaraffenland, wo ja bekanntlich so gut wie gar nicht gehakelt wird) wohlschmeckende Früchte gedeihen, die zu köstlichen Spezialitäten verarbeitet werden. Getragen wird dieses paradiesische Unternehmen von einem Menschenschlag, der südländische Leichtigkeit mit unermüdlichem Innovations- und Schaffensdrang in Einklang bringt und sich viel mehr der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sieht, als den Versuchungen raschen Gewinns zu erliegen. Ist es ein Wunder, dass immer mehr Gäste aus nah und fern dieses Schlaraffenland, in dem Wein und Kürbiskernöl fließen, zum Sehnsuchtsort erwählen? Wer mag es diesen Genießenden verübeln, dass sie – Woche für Woche – die Stunde kaum erwarten können, in der sich die Schleusen zu diesem Garten Eden öffnen? Denn im Unterschied zum auf Ewigkeit verriegelten Paradies der Schöpfungsgeschichte werden Gäste in der Südsteiermark mit offenen Armen empfangen und nach allen Regeln der kulinarischen Kunst verwöhnt.

#GENUSS MIT #AUSSTRAHLUNG

Weine und kulinarische Spezialitäten aus der Südsteiermark finden ihren Weg weit über die Grenzen der Steiermark hinaus: Boten eines Genussgefühls, das auf klein strukturierter, ja, oft gartennaher Landwirtschaft in einer intakten Natur- und Kulturlandschaft sowie liebevoller handwerklicher Verarbeitung beruht. Feinkost- und Spezialitätengeschäfte, Restaurants und Hotels weltweit setzen auf Qualität und einzigartigen Geschmack dieser ursprungstypischen, authentischen Genussprodukte und werden damit zu Brückenköpfen südsteirischer Lebensart. Stolz tragen Südsteirerinnen und Südsteirer ihre Produkte hinaus, säen Freude und Leidenschaft, ernten Hingabe und Begeisterung. Und immer wieder gibt es Neues, Unbekanntes zu entdecken. Es lohnt sich, bekannte Pfade zu verlassen, Ausschau
zu halten, stehen zu bleiben, Duft- und Geschmacksnoten nachzuspüren, zu kosten, mit den Menschen über ihre Erzeugnisse zu sprechen, die Nähe zu Landschaft und Leuten zu spüren und dabei diese unvergleichliche südsteirische Landschaft aus den Tiefen ihrer betörenden Geschmackserlebnisse zu begreifen: Boden, Herkunft, Handschrift – Begriffe, die nicht nur dem Wein zu höheren Weihen gereichen.

#BUSCHENSCHANK #KULTSTÄTTE

Ein Traum vom herrlichen Leben, dem süßen Nichtstun, dolce far niente wird wahr. Wo? Natürlich im Buschenschank, am besten auf einem südsteirischen Hügel gelegen, in Gesellschaft lustiger Leute, auf rustikalen Bänken, mit feiner Aussicht, ehrlichen, vielschichtigen Weinen und köstlichen Delikatessen aus eigener Herstellung, Letztere zusammengefasst zu einer Brettljause. Um den Buschenschank herrscht bisweilen leichte Verwirrung, sprachlich wie rechtlich: Der Duden führt „die Buschenschank“, „die Buschenschenke“ und „die Buschenschänke“, bevorzugt Mittlere und verzichtet darauf, die Mehrzahl auszuführen. Im heimischen Sprachgebrauch heißt es häufig „der Buschenschank“, also männlich statt weiblich. Von diesem babylonischen Begriffswirrwarr bis zur Erkenntnis, dass mehr oder weniger alles erlaubt ist, ist es nicht weit. Also: der, die, e, a, ä etc. Das Buschenschankrecht ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, so dürfen nur Weine aus eigener Ernte und Kellerwirtschaft sowie kalte Speisen aus bäuerlichen Produkten regionaler Herkunft angeboten werden. Explizit nicht gestattet ist das Servieren von Kaffee, Bier und warmen Speisen. Das bleibt Gastronomiebetrieben mit der entsprechenden Konzession vorbehalten, die sich dann allerdings auch nicht als Buschenschank (ä, e) bezeichnen dürfen. Buschenschank ist also Buschenschank.

#BAUERNGARTEN #ERLEBEN

Im Naturparkzentrum Grottenhof wurde ein Bauerngarten angelegt, wie er seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts typisch für die besonders klein strukturierte südsteirische Landwirtschaft ist. Auf recht geringer Fläche werden Obst, Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen, Blumen und Stauden, manchmal auch Beerensträucher und ein paar Obstbäume gepflanzt, wobei in der Regel auch auf die ästhetische Gestaltung des Gartens großer Wert gelegt wird. Die Gartenanlage ist zu Seiten zweier sich kreuzender Wege angelegt und zumeist von einem Zaun, einer Mauer oder einer Hecke umgeben. In der Mitte des Wegekreuzes befindet sich oft ein Rondell, häufig mit Brunnen oder mit einem kleinen Baum oder einem kleinen runden Blumenbeet. Der Naturpark-Bauerngarten ist jederzeit begehbar, nach telefonischer Vereinbarung können auch Führungen in Anspruch genommen werden. Auch Workshops für Kräuter, Küche, Kosmetik & Co. werden angeboten.

#GARTEN #GENUSS

Serschenhof

Der Serschenhof auf 700 Metern Seehöhe in Remschnigg über Leutschach ist nach Angaben seiner Besitzer Bettina und Gregor Tertinjek „mitten im Paradies“ gelegen. Neben Produkten aus dem eigenen Hofladen wird in Kursen auch altes Wissen über Handwerk, vor allem Backen und Fleischverarbeitung, sowie über Kräuter weitergegeben. Auch Gastreferenten beleben das Angebot, etwa mit Sensenmähund Nähkursen. Im Hofladen gibt es Frischfleisch von Schwein und Rind aus artgerechter Tierhaltung (hofeigenes Schlachthaus) sowie selbst gemachte Kräuterprodukte und eigenes Brot. 

 

Weingut Schwarzl

Am Weingut Schwarzl in Ratsch an der Weinstraße hat Katharina Schwarzl unter der Marke „Katharina’s Delikatessen“ eine eigene Spezialitätenlinie mit Chutnys, Gelees, Fruchtaufstrichen und Säften kreiert. Im Sortiment finden sich zum Beispiel Ingwer-Konfitüre, Johannisbeer- und Kriecherl-Fruchtaufstrich, Zucchini-Chutney, Lavendelblütensirup, Fruchtsäfte und ein „Weißes-Cola- Sirup“ auf Basis von Kampfer- und Eberrauteextreakten, geeignet zum Verdünnen, Aufspritzen und Mixen auch in Cocktails. 

 

Polz Garten Südsteiermark

Der Polz-Südsteiermark-Garten von Renate Polz direkt an den legendären Rieden Hochgraßnitzberg in Spielfeld genießt mittlerweile weithin Bekanntheit. Renate Polz bietet Gartenführungen, Beratungen und auch eine eigene Linie mit Lavendel- und Rosenblütenprodukten, Salz, Honig, Aufstrichen und Chutneys an.

 

Obsthof Dientrich

Der Obsthof Dietrich am Ottenberg/Ratsch/Ehrenhausen ist eine der südsteirischen Obst- und Safthochburgen. Angeboten werden Obst von Apfel über Birne, Pfirsiche, Zwetschke, Kiwis bis zu Quitte und Co. sowie die daraus erzeugten Säfte und Nektare, zum Beispiel der exotisch schmeckende Nashinektar aus der Nashi-Asienbirne. Dazu gibt es Fruchtsaftverkostungen und einen Lehr-, Schau- und Naschgarten (Mai bis Oktober, um Voranmeldung wird gebeten).

#GEHEIMNIS #STREUOBSTWIESEN

Mit ihrer entspannten Biodiversität, vulgo Vielfalt, sind die extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen mittlerweile zu Artenreservaten für Pflanzen wie Tiere in einer zusehends von intensiver, monokultureller Bewirtschaftung geprägten landwirtschaftlichen Umgebung geworden. Viele Streuobstwiesen sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verschwunden und mit ihnen seltene heimische Obstsorten, Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Reptilien und Kleinsäuger. In der südsteirischen Naturparklandschaft gehen die Uhren in die andere Richtung. In einem großangelegten Projekt zum Erhalt und zur Stärkung der Artenvielfalt wurden in den vergangenen Jahren Tausende Bäume mit insgesamt über 30 alten regionalen Sorten neu gesetzt. Damit wird wertvolles Naturkulturgut und damit die Basis für zukünftige Züchtungen erhalten. Das Obst – Äpfel, Birnen, Zwetschken, Quitten, Kirschen, Pfirsiche, Marillen, Ribisel etc. – wird in den Küchen und Manufakturbetrieben zu köstlichen Marmeladen, Aufstrichen, Pasteten, Gelees oder Chutneys verarbeitet.

Kategoriezuweisung

Kulinarik