08.04.2020 Wolfgang Wildner

Kren - Der Scharfmacher

Bitte: Was wär das Geselchte oder die Osterkrainer ohne den Kren – bzw. Meerrettich, wie unsere deutschen Nachbarn die scharfe Wurzel nennen?! Aber der Kren hat ja nicht nur zu Ostern Saison. Er ist ein Universalgenie – sorgt für kulinarische Spannungsmomente, ist erwiesenermaßen gesund und macht angeblich auch im übertragenen Sinne scharf.


Kren: ein Muss zum Geselchten, zu gekochten oder gebratenen Würsten aller Art (in Kombination mit Senf, also quasi als Senfverschärfer), kalt oder warm, zum Schinken, zum Lendbratl, zu wurscht welcher Wurscht – und natürlich zur Brettljause. Eine Osterjause oder eine Brettljause ohne Kren – undenkbar. Legendär in der österreichischen Küche: der Semmelkren (zum Tafelspitz). Oder der Apfelkren. Früher hat es ja geheißen, der Kren müsse frisch gerissen (nicht gerieben!) werden, weil er seine Schärfe recht rasch einbüße. Als Haltbarkeitsalternative wird der Kren unter Beigabe von Obers, Senf oder Essig und Salz cremig abgemischt, ganz so scharf ist er dann allerdings nicht mehr. Einem steirischen Unternehmen ist es jedoch mittlerweile gelungen, den gerissenen Kren haltbar zu machen, sodass der steirische Kren nun in Gläsern oder Kübeln wie frisch gerissen gnadenlos scharf erworben sowie im Kühlschrank gelagert werden kann – eine Krenrevolution.

#G.G.A #SCHARF

Als steirischer Kren g.g.A. genießt der im Süden der Steiermark angebaute Kren seit 2008 den Herkunftsschutz der Europäischen Union (g.g.A heißt: geschützte geografische Angabe). Durch konsequente vegetative Vermehrung (die Seitentriebe der Wurzel bilden die Stecklinge des nächsten Jahrgangs) entwickelte sich ein spezifisch steirischer Kren mit einzigartigen Geschmackseigenschaften, besonderer Schärfe und charakteristischem Aussehen. Der steirische Kren ist nicht nur rein optisch von anderen Krensorten unterscheidbar, auch mittels Isotopenuntersuchung kann ein Herkunfts- und Qualitätsnachweis erfolgen. Steirischer Kren g.g.A. wird waagrecht gepflanzt, in aufwendiger Arbeit mehrmals ausgegraben, von überflüssigen Trieben befreit und wieder eingepflanzt. Das verleiht ihm Schärfe und Gehalt.

99 % des österreichischen Krens kommen aus der Steiermark, auf rund 300 ha Anbaufläche werden zwischen 3000 und 4000 Tonnen pro Jahr geerntet.

#UNIVERSALGENIE

Sensationell scharf schmeckt das Krenbier der Brauerei Leutschach. In der heimischen Küche ist der Kren mittlerweile zum Universalgenie geworden: Er schärft Aufstriche, Saucen und Dips, kommt in Suppen, verleiht Fisch und Fleisch Temperament, zeigt sich aber auch in und zu Süßspeisen von seiner scharfen Seite. Doch mehr noch: Die Wurzel enthält Vitamin C, Vitamine B1, B2 und B6, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie flüchtige Öle wie z. B. Senföle, die antibiotische Eigenschaften aufweisen. Kren ist daher auch in der pharmazeutischen Industrie als Rohstoff gefragt. Zudem wird der Wurzel auch eine potenzfördernde Wirkung zugeschrieben. Echt scharf!

Für den stechenden und tränenreizenden Geruch des Krens ist das Senföl  Allylisothiocyanat verantwortlich.

TIPP: Kren erwandern Krenwanderung auf dem „Sarossa“-Kren-Erlebnisweg, ab Ortsmitte Mettersdorf am Saßbach, 7 km Rundweg (Spazierversion „Sagenweg: 2,8 km) mit zahlreichen Stationen rund um die Krenwurz’n, kinder- und familienfreundlich. Beschreibung auf: www.bergfex.at

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Kulinarik